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Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge in Dingolfing feiert 40-jähriges Jubiläum

Die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. ist in der psychosozialen Grundversorgung der Region Dingolfing-Landau nicht wegzudenken. Seit 40 Jahren sind die Fachkräfte in der Erziehungsberatung verlässliche und kompetente Partner im Netzwerk zur Unterstützung von Familien.

In schwierigen und herausfordernden Lebenssituationen ist es gut, Menschen an der Seite  zu haben, die helfend zur Seite stehen. In der Erziehungsberatungsstelle in Dingolfing leisten dies die Leiterin der Beratungsstelle Carmen Zrenner-Rieger und ihr fünfköpfiges Team. Sie tun dies engagiert und mit großem Herzen. "Ich darf das 40-jährige Jubiläum zum Anlass nehmen, um Ihnen allen für Ihre großartige Arbeit zu danken", sagte KJF-Direktor Michael Eibl, der zusammen mit dem Vorsitzenden Dr. Roland Batz herzlich zum Geburtstag gratulierte. Er schätzt die hohe Fachlichkeit der Beratungsstelle und die Zusammenarbeit im Netzwerk der Einrichtungen und Dienste, die in der Region bedarfsgerechte Hilfen für Familien anbieten. "Gemeinsam können wir differenzierte Angebote bereitstellen und den vielfältigen Problemlagen gerecht werden", so Eibl. Dass die Erziehungsberatungsstellen eine hoch geschätzte Anlaufstelle für Kinder und Familien sei, habe die aktuelle Studie des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) Mainz jüngst nachgewiesen: Rund 88 % der Jugendlichen und 91 % der Eltern seien mit der Beratung sehr zufrieden und stuften sie als erfolgreich ein.

Landrat Heinrich Trapp bedankte sich anlässlich des Jubiläums sehr herzlich für 40 Jahre konstruktive Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatung der Katholischen Jugendfürsorge. "Das Team leistet wertvolle Arbeit und erfüllt wichtige Aufgaben, die an sich dem Landkreis übertragen wären. Daher untersützen wir die Erziehungsberatungsstelle von Beginn an als größter Zuschussgeber - in diesem Jahr mit 221.700 Euro", so Trapp. "Erziehung ist eine Herausforderung. Wenn Eltern aber das Gefühl haben, mit der Situation überfordert zu sein, können sie sich vertrauensvoll an die Erziehungsberatungsstelle wenden und finden dort nicht nur kompetente, sondern auch einfühlsame Ratgeber. Wichtig wäre es auch, mehr Migrantenfamilien zu erreichen, sonst verfestigen sich Familienbilder, die mit den Grundwerten im Grundgesetz oft nicht zu vereinbaren sind", erklärte der Landrat.

Erziehungsberatung wird intensiv genutzt

Familien nutzen das Angebot der Erziehungsberatungsstelle intensiv und in gleichbleibend hoher Zahl. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Ratsuchenden im Jahr 2016 mit 302 gegenüber 294 erneut leicht an. Blickt man auf die Anfänge der Erziehungsberatung in Dingolfing zurück, so haben sich die jährlichen Fallzahlen fast um das Vierfache gesteigert. Vor 40 Jahren lag die Fallzahl noch bei 86. Die Zunahme der Fallzahlen spiegelt den hohen Bedarf nach Unterstützung und Hilfestellung im schwierigen Erziehungsalltag wieder.

2016 waren für 48,56 % der Familien belastende Einflüsse im familiären Umfeld, insbesondere Probleme durch Trennung und Scheidung, der Grund dafür, dass sie sich an die Erziehungsberatungsstelle wendeten. Daneben ist die Einzelfallarbeit eine feste Größe im Alltag der Erziehungsarbeit. 90,53 % der fallbezogenen Leistungen liegen im Bereich Diagnostik, Beratung und Therapie; die Beratung hat mit fast 40 % hier den größten Anteil.

Bedarfsgerechte Angebote

Kinder, Jugendliche und ihre Eltern profitieren von den umfangreichen Gruppenangeboten der Erziehungsberatungsstelle. "Diese sind gut etabliert und wir haben sie auch ausgeweitet", erklärt Carmen Zrenner-Rieger, "neben der bewährten Gruppe für Trennung- und Scheidungskinder haben wir im vergangenen Jahr auch wieder das Elterntraining 'Kinder im Blick' durchgeführt." Auch der seit 2015 angebotene Offene Umgangstreff (OUT) werde zunehmend mehr angenommen und entlaste Eltern und ihre Kinder, die von Trennung und Scheidung betroffen sind. Hinzu kommen die Pubertätselterngruppe, der Gesprächskreis AD(H)S für Eltern, ein AD(H)S Elterntraining und die Gruppe 'Zusammen stark', die Kinder und Jugendlichen von psychisch belasteten oder psychisch kranken Eltern Unterstützung bietet.

Prävention und Netzwerkarbeit gehören zum Leistungsspektrum der Erziehungsberatung. Carmen Zrenner-Rieger und ihr Team halten Vorträge an Schulen, Kindergärten und bei Elternabenden; sie engagierten sich darüber hinaus in Gremien und Arbeitskreisen. 2016 kam der Arbeitskreis Fallbesprechungen hinzu, in dem Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen und Berufspraktikannten/innen Supervision angeboten wird.

Herausforderungen in der Erziehungsberatung

"Die neuen Medien stellen oft kritiklos unterschiedliche Lebensentwürfe und Werthaltungen nebeneinander", erklärt Carmen Zrenner-Rieger. Die Eltern müssten entscheiden, welche Werte sie für richtig halten und was sie ihren Kindern vermitteln wollen. Das fordert sie in ihrem Erziehungsalltag zunehmend heraus. Als Gefahren benennt die Leiterin der Beratungsstelle die Themen Cybermobbing und Mediensucht. Problematisch sieht Zrenner-Rieger auch das BGH-Urteil zum sog. Wechsellmodell von Trennungskindern. Es besagt, dass Mütter und Väter, die ihr Kind nach einer Trennung im gleichen Umfang wie der Ex-Partner betreuen wollen, dies künftig unter Umständen auch gegen den Willen des Ex-Partners durchsetzen können. Für eine steigende Anzahl hochstrittiger Trennungen und Scheidungen sieht Zrenner-Rieger weitere Herausforderungen auf die Beratungsstelle zukommen. "Der Zeitaufwand für diese Fälle ist zwei- bis dreimal höher als bei anderen", so Zrenner-Rieger. Am Herzen liegt ihr die Arbeit mit Flüchtlingsfamilien. Hier müssen passende Zugangswege und Methoden für die Beratung entwickelt werden. Auch die Inklusion sei ein Thema, das die Erziehungsberatung betreffe. Neue Ansätze müssten umgesetzt und die Mitarbeiter geschult werden, um Familien mit Gesundheitsproblemen stärker zu unterstützen.

Dank an Unterstützer und Förderer

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums dankten KJF-Direktor Michael Eibl, der zuständige Abteilungsleiter Robert Gruber und Carmen Zrenner-Rieger ihren Netzwerkpartnern, Unterstützern und Förderern. Dazu gehören die Fachreferate in der KJF, das Bistum Regensburg, der Landkreis Dingolfing-Landau, das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Integration, vor allem aber das Jugendamt und die Sozialen Dienste, Ärzte, Schulen, Kindergärten und Einrichtungen in der Region. Diesem Dank für die jahrzehntelange verlässliche Zusammenarbeit und die Unterstützung der Kinder und Familien im Landkreis schloss sich auch Landrat Heinrich Trapp an, der es sich trotz eines vollen Terminkalenders nicht nehmen ließ, persönlich die Glückwünsche des Landkreises Dingolfing-Landau zu überbringen und Frau Zrenner-Rieger und ihrem Team für die fachlich versierte und geschätzte Arbeit zu danken.

 

Text: Christine Allgeyer